Wie fördert Innovation zwischenmenschliche Beziehungen?

Interview mit Marieke Rohde, Innovationsexpertin.  In Berlin habe ich die Gründerin, Wissenschaftlerin und Mitarbeiterin der Abteilung Gesellschaft und Innovation bei dem Institut für Innovation und Technik (iit) getroffen.  Im Gespräch erzählt sie von Affective Computer Technologien, von menschlichem Informationsaustausch und Risikobereitschaft. 

Ein Online-Verhandlungstraining, bei dem Nutzer per Videokonferenz miteinander in Rollenspielen verhandeln, ist Dein erstes Produkt als Startup-Gründerin gewesen. Warum gerade ein Verhandlungstraining?

M.: Ein Online-Verhandlungstraining erfüllt in erster Linie eine gesellschaftliche Funktion. Es hat die zwischenmenschliche Kommunikationsverbesserung als Ziel. Verhandlungskompetenzen beruhen auf der Beziehung und sind nicht mit klassischen E-Learning-Ansätzen trainierbar. D.h., die Interaktion spielt bei unserem Online-Verhandlungstraining eine entscheidende Rolle. Insbesondere hat mich motiviert, dass in der Interaktion affektive Signale analysiert werden.

Affektive Signale analysieren, damit zwischenmenschliche Beziehungen verbessert werden können. Wie darf man sich das konkret vorstellen?

M.: Affektive Signale werden z. B. durch Gesichtsausdruck oder Stimmlage in einer Unterhaltung zum Ausdruck gebracht. Das sind Informationen, die Computern heutzutage nicht oder kaum zugänglich sind. Aber sie sind messbar. Die Kerntechnologie unseres Online-Verhandlungstrainings kann solche Signale aus Ton- und Bildaufnahmen automatisch bestimmen (Forschung von Mitgründer Tim Brick) und, je nach Anwendungsfall, für den Nutzer interpretieren. Affective Computing Technologien können als nonverbaler Übersetzer dienen und daher den menschlichen Informationsaustausch verbessern.

Innovationsexpertin Marieke Rohde

Inwiefern sind die Signale nonverbaler Kommunikation wie Körperbewegungen, Haltung, Gesichtsausdruck, Stimmlage, kulturübergreifend?

M.: Teils, teils. Manche Verhalten sind universal, z.B. dass Menschen, die sich verstehen, ihre Bewegungen synchronisieren. Andere, wie der emotionale Gesichtsausdruck, sind durch die Kultur beeinflusst. In westlichen Kulturen werden Emotionen z. B. mehr durch den Mund ausgedrückt, in asiatischen Kulturen hingegen mehr durch die Augen. Wir haben uns auf den westlichen Markt konzentriert, unter der Annahme, dass das nonverbale Signalverhalten dort hinreichend ähnlich ist.

Laut dem „Start-up Report 2017“ des Digitalverbandes Bitkom würden 95 Prozent der Start-up-Gründer in Deutschland diesen Schritt trotz Unsicherheiten wieder gehen. Würdest Du jungen Menschen empfehlen, ein Start-up zu gründen?

M.: Ja, selber etwas zu schaffen und dafür zu kämpfen ist toll, macht Spaß, macht stolz. Aber man muss bedenken, dass nicht jeder Mensch zum Gründen gemacht ist und nicht jede Idee einen Business Case hat. Man muss z. B. ein Verständnis davon haben, welche Marktnische das Produkt einnehmen soll. Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen sind unabdingbar. Ja, man muss viel aufs Spiel setzen – nicht nur Kapital und Opportunitätskosten, sondern auch Zeit und Lebensqualität, obwohl wahrscheinlich nichts dabei herum kommt. Man muss an das Produkt glauben und auch bei Gegenwind durchhalten, im Kampf neue Wege gehen.

Neulich hat die Nachricht, dass der Sprachassistent Alexa die Nutzer mit hexenhaften Lauten verschreckt, Schlagzeilen gemacht. Die Verbreitung von Sprachassistenten ist mit der Kritik verbunden, dass Nutzer in Zukunft befehlen und zuhören werden, aber kaum mehr schreiben und lesen müssen. Macht die digitale Entwicklung das Leben einfacher, ändert sich das Kommunikationsverhalten oder büßt der Mensch einfach Fertigkeiten ein?

M.: Das Kommunikationsverhalten ändert sich bestimmt. Aber Änderung ist in der Natur der Sache. Wenn verbale Kompetenz wichtiger wird, ist das auch als Chance zu betrachten. Für Legastheniker und Analphabeten, z.B. Mit der Technologie der Sprachassistenten hat unser Online-Verhandlungstraining aber keine Gemeinsamkeit. Allein aus dem Grund, dass wir uns auf die Beziehung zwischen zwei Menschen konzentrieren. Unser Online-Verhandlungstraining nutzt die Affective Computing Technologie dazu, Interaktionen zwischen zwei Menschen zu unterstützen und die nonverbale Kommunikation zu verbessern.

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