Sei agil! Scrum, was das Zeug hält! – oder auch nicht

Das Szenario der Folgen einer falsch verstandenen Agilität in der Umsetzung des Scrum Model könnte nicht düsterer sein: Fehlende Zuständigkeiten und fehlende Fachkompetenzen; nicht genug Erfahrung für eine realistische Schätzung der Komplexität der Aufgaben; kein Verständnis von Nutzer, Markt oder Marktnische und Unternehmenskommunikation, von Zielgruppe und Zusammenhängen; Tunnelblick; Ausgrenzungsspielchen; Willkür statt Professionalität; keine klare Agenda für die Meetings; kein Gesamtüberblick über Sinn und Zweck des Unternehmens; keine klaren Ziele; fehlende interne Kommunikation und hoher Abstimmungsaufwand, um intern zuverlässige Informationen zu bekommen.

Die Liste ist unendlich. Vor lauter Freude daran, aus den Fehlern lernen zu dürfen, hangelt man sich in erfolglosen Scrum Teams ahnungslos von Fehler zu Fehler, von nichtssagenden Claims zu nichtssagenden Claims. Und wenn man nicht weiter weiß, wird Google zum Orakel. Diesen Alptraum erlebt man in jedem Team, wo das Scrum Model, das als das agile Modell für innovative Unternehmen schlechthin gilt, falsch umgesetzt wird. Die Folge? Statt agil zu sein, wirkt eine Organisation einfach nur planlos, führungslos, unzuverlässig.

Falsch verstandene Agilität

Wann ist ein Team erfolgreich agil?

Spontane Einfälle, die mit Bemerkungen wie «deshalb arbeiten wir doch agil und flexibel» berechtigt werden  und in laufende Projekte und Planungen eingreifen, haben nichts mit „agil“ zu tun.  Planlosigkeit ist in agilen Modellen unerwünscht.   Dass das unkoordinierte Handeln in Ad-hoc-Prozessen sowie kurzfristige Plan-, und Verantwortlichkeitsveränderungen oft als besonders fortschrittlich empfunden werden, ist auch falsch verstandene Agilität.

Erfolgreich agil ist eine Organisation immer dann, wenn ihre Stabilität durch Dezentralisierung der Verantwortungen erreicht wird. Und dafür brauchen Teams Fachkompetenzen und das disziplinierte Befolgen von festgesetzten Regeln, was Scrum voraussetzt.

Wann ist Scrum erfolgreich?

In der agilen Welt geht es um fachkompetente Kollaboration bei Transparenz. Für manipulative Spielchen ist kein Platz.

Ein Team beim agilen Projektmanagement ist interdisziplinär zusammengesetzt. Es herrscht zwar keine Hierarchie und jeder hat dieselben Rechte und Pflichten, aber durchaus unterschiedliche Kompetenzen. Alle Fachbereiche, die zur Lösung des im Team behandelten Problems beitragen, sollten vertreten sein. Tägliche Meetings, in denen die Projektmitarbeiter ihre Aufgaben abstimmen, haben eine klare Struktur und Time-Boxen, fangen pünktlich an und hören zur vorgesehenen Zeit auf. Die Teammitglieder kommunizieren auf Augenhöhe miteinander und organisieren gemeinsam die Zusammenarbeit des Teams selbst, damit die gemeinsamen Ziele termingerecht erreicht werden können.

In Scrum-Teams herrscht eine klare Rollenverteilung. Genauer gesagt, es gibt bei Scrum drei Rollen: der Produkteigner (Product Owner),  der Scrum-Master und das Mitglied im Projektteam. Der Produkteigner sollte wissen, was die Kunden schätzen. Der Scrum-Master ist Moderator und Unterstützer für das Projektteam.  Er hilft dem Team bei methodischen Problemen und stellt sicher, dass die Regeln des agilen Projektmanagements eingehalten werden. Tödlich für agile Teams sind fehlende Fachkompetenzen bei den Mitgliedern im Team.

…. Scrum, woher kommt das Wort?

Der Begriff „Scrum“ entspringt dem Rugby und könnte mit dem Wort „Gedränge“ übersetzt werden. Beim Rugby wird dadurch eine Situation ausgedrückt, bei der sich beide Mannschaften in einem kreisförmigen Gebilde gegenüberstehen, um  nach einer Unterbrechung der Rugbyball wieder in das Spiel zurückzubringen.  Dabei versuchen sie, Ball und Raum zu erobern. Trotz des groben Erscheinens der Spielsituation werden die Spielregeln sehr streng überwacht und eingehalten. Rugbyteams leben besonders von einem starken Zusammenhalt untereinander. Scrum kombiniert diese Eigenschaften und schafft so ein Modell, das sehr stark auf das disziplinierte Einhalten der Regeln pocht.

Was tun, wenn…?

In Scrum-Teams duzt man sich am besten… Also, was solltest Du  tun, wenn Dich jemand  davon überzeugen will, dass fehlende Zuständigkeiten, fehlende Fachkompetenzen und unkoordiniertes Handeln im Team eigentlich  nur Bestandteil der Agilität sind?

Sei agil! Renn! Renn weg! So schnell und so weit Du kannst!

Lesetipp: Grote, Sven, Goyk, Rüdiger (Hrsg.), (2018). Führungsinstrumente aus dem Silicon Valley. Konzepte und Kompetenzen. Springer

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