„Die Fahrradbranche macht Barkeeper-Innovation“

Im Gespräch mit Fahrradjournalist Gunnar Fehlau.  Seinen Namen verbindet man nicht nur mit dem Themendienst  pressedienst-fahrrad (pd-f), der sich zur Aufgabe gemacht hat, dem Radfahren  mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, sondern auch mit dem Radkulturmagazin fahrstil , das Herr Fehlau seit 2010 herausgibt.  An einem sonnigen Apriltag hat er mir erklärt, wie fortschrittlich die Fahrradbranche  ist und schon immer gewesen ist. [Bild: E-Mountainbike. Quelle: [´www.flyer-bikes.com | pd-f´]

Wie passen Fahrrad und Innovation zusammen?

G. F.: Um es gleich vorauszuschicken: Das Fahrrad hat schon immer Innovationen und Trends vorgegeben. Die E-Bike-Pioniere der frühen 1990er-Jahre z. B. brachten die heute geforderte Elektromobilität schon damals ins Rollen. Oder die Mountainbikers der 1970er-Jahre, die mit ihren Geländerädern die Lust auf das Abenteuer in der Natur stärkten. Ein weiteres Beispiel ist die Beleuchtung mit Karbid-Lampen bei Fahrrädern Ende des 19. Jahrhunderts. Karbid-Lampen werden bis heute von Höhlenforschern eingesetzt. Beim Fahrrad ist heute LED Stand der Technik.

Die Innovationen aus der Fahrradbranche tragen also zum Fortschritt der Menschheit bei…

G. F.: Ich würde sagen, die Fahrradbranche macht Barkeeper-Innovation: Die Branche schaut, welche Innovationen andere Branchen hervorbringen und adaptiert sie aufs Fahrrad. Dass das durchaus innovativ ist und zum Nutzen der Menschheit, beweist das E-Bike: Es ist gegenwärtig die führende Individual-E-Mobilität.

Können Sie die Trends der neuen Fahrradsaison nennen?

G. F.: Ich würde sagen Universalität und Elektrifizierung.

Gemeint ist damit…

G. F.: Dass man heute auf dem Fahrradmarkt für jeden Biker in jeder Lebensphase – ob Familien, junge Leute in den Großstädten auf dem Weg zur Arbeit, Sportliebhaber oder Best Agers – das passende Fahrrad findet. Citybike, Faltrad, Liegerad, E-Bike…für jeden Wunsch und Zweck das richtige Rad. Und es lässt sich individuell anpassen und verbessern. Radfahrer sind heute dazu bereit, sogar mehr Geld für individuell passende hochwertige Produkte zu bezahlen. Dass in den letzten Jahren der Verkaufspreis für Fahrräder deutlich gestiegen ist, zeugt davon, dass den Menschen das Fahrrad mehr wert ist. Befördert wird dieser Trend vom E-Bike. Und die Elektrifizierung beschränkt sich nicht nur auf die Motoren und das Licht am Rad, so funktionieren moderne Schaltungen elektrisch und das Fahrrad wird Stück für Stück smart.

Sind E-Bikes für jeden Radfahrer-Typ?

G. F.: E-Bikes sind für viele Menschen das bessere Fahrrad und sie bringen Leute aufs Rad, die ohne Motor nie Rad gefahren wären. Die Elektrifizierung des Rads ist heute mit einem gewissen Lustgewinn verbunden. E-Bikers sind entweder Leute, die sich mit dem traditionellen Fahrrad auskennen, aber seit Jahren wegen Zeitmangel nicht mehr Rad gefahren sind und das Fahrrad neu entdecken, oder Leute, die nie Rad gefahren sind und das Fahrrad zum ersten Mal erleben. Von dem Bild des e-Bikes als Vehikel für ältere Leute hat man sich eindeutig verabschiedet.

Wie weit geht der Trend des e-Rads schon?

G. F.: Weit genug, um für Barkeeper-Innovation zu sorgen und uns Zeuge der Geburt einer neuen Sportart zu machen, die vom analogen Mountainbike kommt, sie sich das Motocross anguckt und dann gibt es da so eine Mitte: Das Mountainbike, wie wir es bisher kannten, übersetzt auf den Motor. Mit einem Wort: Das E-Mountainbike. Ein neues Konzept. Strecken, die ohne Motor anstrengend bis unfahrbar waren, werden heute mit E-Unterstützung sogar zum Naturerlebnis. Durch die E-Mountainbikes hat sich also das Mountainbiken neu erfunden.

G. Fehlau (links) Als Radsportler rief er 2009 die Grenzsteintrophy , eine  Selbstversorger-Mountainbikefahrt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ins Leben.

Und wie digitalisiert ist die Fahrradbranche schon?

G. F.: Der Trend des e-Rads entwickelt sich auch Richtung Digitalisierung natürlich. Smart ist das passende Stichwort. Man spricht schon von Smart Cycling. Die Vernetzung von E-Bikes mit Smartphones ist ein Beispiel für Smart Cycling. Der Weg ist allerdings noch ein sehr weiter, weil Fahrradtechnologie sehr leicht, sehr stabil und dabei kostengünstig sein muss…

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