Trotzige Kinder, Klatschbasen, AnschwärzerInnen und andere Peinlichkeiten

Irgendwie muss ich an Lakoff gedacht haben, als ich auf diesen Titel kam. Nicht weil sich neue besonders weltbewegende linguistic wars entflammt haben, sondern einfach wegen der Art und Weise, wie eine Kategorie entsteht. Metaphorisches Denken – eine Projektion des Konkreten auf das Abstrakte – und die Verankerung in physischen und kulturellen Erfahrungen bestimmen die Elemente einer Kategorie, die wir schaffen, um unserer Erfahrung Sinn zu verleihen. So kam es, dass in meiner physischen und kulturellen Erfahrung im PR-Alltag trotzige Kinder, Klatschbasen, Anschwärzer*Innen zu erlebten Elementen der Kategorie Peinlichkeit wurden.

Die trivialere Erklärung ist, dass Unternehmenskommunikation und PR von Unternehmen, die den Anschluss an den publizistischen Fortschritt verpasst haben, als Synonym für billiges Tratschen betrachtet werden. Trotziges Verhalten beim Versuch, sich durchzusetzen, das professionelle Anschwärzen von Kollegen und die Herstellung von bedeutungslosen Zusammenfassungen aus der Presse für die eigenen Kanäle, als wäre die Presse die neue Bibel,  gehören dazu.

Der Liste muss das penetrante Verhör – das penetrante Ausquetschen – des  Gegenübers zwecks Ermittlung von Informationen hinzugefügt werden, die bei der ersten besten Gelegenheit – verdreht darsgestellt – gegen das Gegenüber selbst verwendet werden.

Wird das penetrante Ausquetschen plump von einer schlecht blondierten lauten immer gut gelaunten Plaudertasche mit markanter Brille, altmodischen spitzen Schuhen und Chefallüren vor einer Tasse Kaffee als vertrauliches Miteinander aufgeschlossener Seelen getarnt, ist der Fehltritt besonders niveaulos.

Solche Fauxpas haben mit Kommunikation und PR nichts zu tun. Sie sind nur peinlich.  Sie sind für die Mitarbeiter peinlich, die in einer Zeit, wo unsere Wissensgesellschaft und die Instrumente und Techniken der Kommunikation anspruchsvolle Inhalte und gut durchdachte Strategien verlangen, Inkompetenz und niveauloses Benehmen an den Tag legen. Sie sind peinlich für das Unternehmen, das eine solche Kommunikationspolitik unterstützt, denn es vergeudet die Chance, zeitgemäß aufzutreten. An die Eingangstür beim nächsten Recruiting-Event könnte man locker das Schild  hängen: Kompetenz unerwünscht.

Gewinnen dann Flurfunk und üble Nachrede die Oberhand in der Kommunikation eines Unternehmens, so weiß man, dass der Gipfel der Peinlichkeiten erreicht wurde. Das Unternehmen nimmt sich und die Kunden nicht ernst und ist nicht vertrauenswürdig. Stellt man zufällig fest, dass die Leiter der Kommunikation an Hochschulen ausgebildet wurden, denen vorgeworfen wird, ihren Studenten Schablonendenken beizubringen, hat man die Grenzen der Peinlichkeit überschritten.

Zum Glück hat Best Practice in der Kommunikation mit gemeinem Tratschen, plumpem Ausquetschen und leerem Geschwätz nichts zu tun. Unternehmen, die vom Gegenteil  ausgehen, haben ihre Kunden von morgen schon verloren.

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