Aufeinaderprallen, Auseinanderklaffen: TBBT, oder: PR für die Wissenschaft

Er verkörpert das Universalgenie. In Leonardo da Vinci vereinigte sich das Interesse für die Naturwissenschaften und Technik mit einem großen künstlerischen Talent. Teils Kunstwerk, teils Mathematikdiagramm ist sein Vitruvianischer Mensch ein Musterbeispiel für Leonardos Überzeugung, dass alles mit allem verbunden ist. Leonardos Beispielvorlage für perfekte Proportionen blickt uns im Alltag von den  deutschen Krankenversicherungskarten und von der italienischen 1-Euro Münze entgegen und ist eines der 109 Bilder des Opener von The Big Bang Theory.

Im selben Monat, in dem sich dieses Jahr Leonardos 500. Todestag gejährt hat, ist die berühmte Serie über eine Gruppe von Wissenschaftlern, die am Caltech in Pasadena arbeitet und sich eine Wohnung teilt, zu Ende gegangen. Am 16. Mai ist die letzte Folge in den USA gesendet worden. Von dem Thema der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Wissenschaft über Sheldons Bewunderung für Marie Curie bis hin zu seinem Austausch mit Stephen Hawking über Skype: Was von der Serie bleibt, ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Imageaufbau des Wissenschaftlers in seinem Berufsalltag. Dass The Big Bang Theory in gewisser Weise auch PR-Arbeit für das Caltech geleistet hat und es in den Medien bekannter gemacht hat, steht außer Frage.

Beckman Institute Caltech

Am Tag der Ausstrahlung der letzten Folge der Serie in den USA hat das Caltech ein free screening organisiert, um die Serie zu feiern. Auf Twitter hat die Einrichtung zur Teilnahme an einer Diskussion  über die Serie eingeladen. Mit echten Wissenschaftlern vom Caltech konnte man sich austauschen.

In ihrem Beitrag mit dem Titel The Image of Scientists in The Big Bang Theory, der 2017 in Physics Today erschienen ist, stellt Margaret Weitekamp fest, dass “the Big Bang Theory has become a desirable place for real scientists and engineers to make cameo appearances”.  Bei Wissenschaftlern ist die Serie gut angekommen. Trotz der üblichen Stereotype über Nerds und Haarspalter*innen in der Wissenschaft spricht The Big Bang Theory  auf eine witzige und anrührende Weise Themen an, die Einfluss auf die Perzeption des Wissenschaftsbildes nehmen.

PR für die Wissenschaft

Neid und Missgunst, Plagiat und Mangel an Gleichberechtigung in der Wissenschaft sind Themen, die im Arbeitsalltag einer jeden Forschungseinrichtung deren Reputation und die Reputation der einzelnen Forscher*innen beeinträchtigen können. Wer will schon mit jemandem zusammen arbeiten, der oder die die Arbeit von Kollegen benutzt, ohne sie richtig zu zitieren? Oder, schlimmer noch: Wer nimmt Forschungseinrichtungen ernst, an denen wissenschaftliche Arbeiten abgeschrieben wurden, ohne dass die Prüfer es merkten? Wer wünscht sich schon einen Doktorvater, der seinen Doktoranden einfach so Ideen klaut?

Sheldon und seine Kollegen schaffen es, mit dem Humor, den sie aus dem Aufeinanderprallen von Intelligenz und Emotionaler Intelligenz beziehen, auch die weniger erfreuliche Seite der Welt der Forschung anzusprechen, die negativere Nuance  zu entschärfen und witzige und anrührende Stories entstehen zu lassen. Image und Reputation der Welt der Wissenschaft gewinnen an Glaubwürdigkeit.

 

Als aus Neid Ehrgeiz wird. Stephen Hawking baut Sheldon auf

Einer der prominentesten Cameoauftritte in TBBT ist der Auftritt von dem britischen theoretischen Physiker Stephen Hawking. Gerade in der Folge, in der Sheldon neidisch auf seinen erfolgreichen Kollegen Bert aus der Geologie wird, weil dieser eine beeindruckende Projektfinanzierung bekommen hat, und ihn deswegen verprügelt, werden er und das Publikum daran erinnert, worum es eigentlich in der Wissenschaft geht:

„Every scientific advancement is a victory. Don’t waste your time on jealousy, Sheldon, you are too brilliant.”

Stephen Hawking bringt es auf den Punkt: Neidisch wird man, wenn man an den eigenen Fähigkeiten zweifelt. Kein gutes Zeichen!

Frauen in der Forschung: Mit ein wenig harter Arbeit kann das auch Euch passieren! 

Gleichberechtigung sowie der Kampf gegen sexistische Einstellungen an Forschungseinrichtungen und in der Wissenschaft sind Themen, die sich wie ein roter Faden durch die Serie ziehen. Frauen in der Forschung ist ein Thema, dem Forschungseinrichtungen viel Aufmerksamkeit schenken. Das Caltech hat das Programm FUTURE ins Leben gerufen, zum Beispiel. Das Programm wendet sich an Frauen in der Physik, behandelt das spezifische Thema von Forscherinnen auf dem Fachgebiet und bietet die Möglichkeit, über das Frauenbild in der Wissenschaft zu diskutieren.

Das fiktive Caltech  von Sheldon ignoriert das Thema nicht. Sheldon und seinen Kollegen wird die Aufgabe anvertraut, Schülerinnen für die Wissenschaft zu begeistern. Ein Cameoauftritt wird für diese Aufgabe nicht in Anspruch genommen.

Nichtsdestotrotz wird auf eine Nobelpreisträgerin hingewiesen: Madame Curie. „She was a hero of science“ betont Sheldon vor den Schülerinnen. „Until her hair fell out, her vomit and stool became filled with blood and she was poisoned to death by her own discovery” erzählt Sheldon weiter. Falsch ist seine Beobachtung nicht, schmeichelhaft genauso wenig. Emotionale Intelligenz ist nicht Sheldons Stärke. Er meint es nur gut, wenn er abschließend feststellt: „Mit ein wenig harter Arbeit kann das auch Euch passieren!“ Eine Ermutigung – nein, nicht dazu, sich zu vergiften, sondern dazu, Heldinnen der Wissenschaft zu werden. Plump, aber gut gemeint.

Plagiat: Wenn das Abschreiben von Wissenschaftsarbeiten rauskommt

Es ist als Wissenschaftler*in keine schöne Erfahrung, feststellen zu müssen, dass die eigene Arbeit übernommen worden ist, ohne dass die oder der Autor zitiert wurde. Es handelt sich nicht immer um Plagiat. Formulierungen wie „Es gibt in der Themenforschung eine Studie über XX“ ohne den Autor zu zitieren, der die Studie durchgeführt hat,  ist zwar kein Plagiat, aber professionell und seriös ist es auch nicht.

Plagiat – das Abschreiben von Wissenschaftsarbeiten  wie zum Beispiel von Doktorarbeiten – ist ein Vergehen, das Wissenschaftler den Arbeitsplatz kosten kann. Sheldon, der zusammen mit seiner Freundin Amy für den Nobelpreis nominiert wird, kommt einem Hochstapler auf die Schliche. „We have proof that you plagiarized your thesis.“ Die Erklärung des Kollegen, der gemogelt hat, bringt auf den Punkt, worum es in der Wissenschaft – egal ob Geistes- oder Naturwissenschaften – geht:

-„I was going through a very hard time.”

– “What hard time?”

-“I had to write a thesis and I wasn’t smart enough to do it”

Ja, es geht im Grunde nur darum:  Die Arbeit soll belegen, dass der Kandidat selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten versteht. No weasels!

Das Aufeinanderprallen von Intelligenz und Emotionaler Intelligenz als erfolgreiches PR-Rezept.

Lesetipp: D. Zobel (2017). Die Wissenschaft hinter the Big Bang Theory, riva

Newsletter
Unsere Updates zum Thema "Innovationen wirksam kommunizieren" nur einen Klick entfernt!
I agree to have my personal information transfered to MailChimp ( more information )